Ein Bericht von Arthur Schmid

1. Tag (Fahrdynamik)
Nach einer längeren Regenperiode ist heute der erste trockene Tag. Ich bin natürlich der einzige Teilnehmer, der mit dem Auto gekommen ist. Auf der Fahrt zum Trainingsgelände (ohne eigenes Motorrad) kann ja noch jemand mit mir mitfahren; es steigt ein Berliner Kawa-Fahrer mit Glatze ein (Olaf). Na ja, wir sind dann alle recht gut miteinander ausgekommen. Das Training ging dann recht unspektakulär los; ohne Helm und Jacke auf den 10 PS-Crossmaschinen im Standgas und nur mit zwei Fingern fahren. Dann Beschleunigungsdynamik, Trial-Stopps mit 1 sec. Standzeit, Kreisfahrt im 3 x 3m Quadrat mit Stopps (natürlich ohne die Füße abzusetzen). Im Slalomkurs (Tore um 3m seitlich, aber nur 2m längsversetzt) habe ich mit 0 Fehlerpunkten gut vorgelegt (der Meistbietende hatte so um die 70!); beim 2. Durchgang nach dem Training hatte ich immerhin einen Fehlerpunkt (=1x Fußabsetzen). Die Entfernungsschätzfrage (Jägerstand im 250m Entfernung) hatte ich auch absolut richtig (unser Schweizer Teilnehmer hatte 800m geschätzt; wahrscheinlich hat er nicht die Luftlinie, sondern die Länge über die Feldwege gerechnet). Nach der Mittagspause war Geländefahren in der kleinen Kiesgrube angesagt; ab jetzt mit Helm, weil da auch Gegenverkehr war und wir auch schon im 2. und 3. Gang fuhren. Alle Übungen hat uns der Alois mit spielerischer Leichtigkeit vorgeführt; selbst nach unseren Versuchen sind wir nicht ansatzweise zu dieser Motorradbeherrschung gekommen (na ja, er macht es ja auch nicht zum 1. Mal). Zum Ausklang des Tages versuchten wir uns noch an Wheelies (das hat aber doch nicht so richtig funktioniert). Beim Heimfahren gegen die Sonne spürte ich schon ein Brennen auf den Lippen; zu Hause sah ich dann im Spiegel das Werk der Sonne. Obwohl den ganzen Tag überwiegend einzelne Wolken am Himmel waren, hatte ich doch einen recht roten Kopf bekommen.

2. Tag (Schräglagentraining)
Ausgerüstet mit Sonnenschutzcreme und Lippenstift trafen wir uns auf dem Siemens-Parkplatz. Die anderen hatten auch am Vortag ausgiebig Sonne getankt! Die erste Übung; mit dem Flügelmotorrad aus der Schräglage anfahren und einen 8er-Kurs fahren; wie üblich spielerisch vom Alois vorgeführt. Unsere Anstrengungen endeten aber im Fiasko (wie vorgesehen). Durch die verschiedenen Trainingsstufen fanden wir doch recht schnell das Gefühl für das Gefährt und bis zur Mittagszeit haben wir die "Achterbahn" mit 45° Schräglage durchfahren. Da musste ich meine Füße schon mit den Zehen auf die Fußrasten stellen, weil sie sonst am Boden geschliffen haben. Zwischendurch hat der Schorsch, seines Zeichens Feuerwehrkommandant aus N., die Reparatur an dem Flügelmotorrad aus der Parallelgruppe ermöglicht. Mit angeklebten Knie-Pads ging's an das "Knieschleifprogramm". 45° Schräglage und zusätzlich nach innen "neben" das Motorrad gesetzt; Knie nach außen und hören / spüren, wie die Knie(-Pads) über den Asphalt scheuern. Eigentlich richtig geil :-). Das "Turnen" auf dem Motorrad brachte übrigens eine Erhöhung der Kurvengeschwindigkeit von 26 auf 30 km/h. Da kam ich auch schon ein paar Mal an die Grenzen der Reifenhaftung; beim Rausbeschleunigen aus der Kurve, beim fälschlicherweise mit dem Lenker angegangene Kursänderung (geht im Grenzbereich viel sicherer mit Gewichtsverlagerung / Fußrastendruck). Ich war übrigens der Erste und Einzige, der sich mit dem Flügelmotorrad (am Kurvenausgang) flachgelegt hat. Damit hat meine alte BMW-Kombi noch einen würdigen Abgang erhalten. Faszinierend auch die Erkenntnis, daß man da hinfährt, wo man hinschaut. Selbst wenn man 10 Mal die Kurve richtig kriegt und beim 11. Mal nicht die nächste Kurve, sondern fälschlicherweise den letzten Kegel anschaut, dann fährt man auch diesen um! Dann hatten wir das Glück, daß die Jugendmannschaft vom Schorsch seiner Feuerwehr mit dem Tanklöschzug anrückte und uns eine nasse Fahrbahn bescherte. Die Super-Erkenntnis daraus: wir konnten die nasse Kurve mit der gleichen Technik und Geschwindigkeit durchfahren wie die trockene! Nur die Reserven beim Gasgeben und Lenkerreißen waren nicht mehr so groß. Obwohl wir

Motorradübung auf nassem Asphalt
Ein dreifach Hoch der Feuerwehr - (Olaf hier noch bei den "Hochtastfahrten"; zwar schon bei nahezu 45° Schräglage, der volle Körper- und Knieeinsatz folgt zunehmend)
jeweils nur immer in 5-Minuten-Sessions gefahren sind und danach jeweils etwa eine halbe Stunde den anderen zuschauen konnten, bin ich dann doch nach dem Abendessen am Tisch eingeschlafen ... Die Erkenntnis von dem Tag: theoretisch kann man auf einer normalen Landstraße mit ca. 30 km/h umdrehen - auch im Regen! Praktisch werde ich es aber wohl nicht versuchen.

3. Tag (Bremstraining)
Heute bin ich mit der BMW angereist. Alle anderen Mitstreiter bestätigen eigentlich den "Blackout" am Vorabend und Muskelkater vom Turnen auf dem Flügelmotorrad; bin ich doch nicht allein der untrainierte Fahrer. Nach einem theoretischen Teil über Ausrüstung, Verhalten und Unfallursachen / -folgen (mit einem Film über einen Originalunfall ( 1 PKW, 1 Geländewagen, innerorts, tödlich)) ging's mit unseren Motorrädern zur Teststrecke. Daß die Arbeit vom Alois wahrscheinlich nicht von allen Einheimischen anerkannt wird, wird uns klar, als sich ein Mercedes-A-Klasse-Fahrer an einer Kreuzung in unsere Kolonne aus 5 Motorrädern drängt, um ein paar Straßen weiter mit einem völlig paradoxen Bremsmanöver wieder abzubiegen. Was soll's?! Im Bereich der Bremsteststrecke sind aber alle anderen Verkehrsteilnehmer kooperativ. Der Alois demonstriert wieder gekonnt die verschiedenen Bremsmöglichkeiten aus 100 km/h; mit einem Motorrad ohne ABS (ein Sportler) aus unserer Gruppe; dem Siegi wird ganz Anders ob der teilweise qualmenden oder blockierenden Reifen seines Moppeds. Beim Anlaufholen zeigt Alois auch noch einen Wheeli mit dessen Maschiene. Zum Ausgleich darf der Siegi uns dann als Sozius mit dem Alois auf seinem Billig-ABS-Motorrad eine unspektakuläre, aber effektive ABS-Vollbremsung demonstrieren. Danach waren wir mit den eigenen Motorrädern zum Bremsen dran. So nebenbei bewies der Alois dann noch, daß das Teilintegralbremssystem in meiner R1200GS doch nicht so effektiv ist, wie in den Prospekten angegeben. Bei mehreren Versuchen aus 100 km/h erzielte ich mit der Handbremse Werte zwischen 45 und 47 Meter (bereits korrigiert mit dem tatsächlichen Bremsbeginn; der variierte bei den anderen schon mal um 20 Meter, bei mir max. um 2 Meter); schon nicht schlecht. Als ich aber zusätzlich noch die Fußbremse benutzte, stand das Motorrad schon nach 42 Meter. Dafür erhielt ich auch ein Danke vom Alois, weil ich damit sein Wissen bewiesen habe. Daß seine Geschwindigkeitsschätzungen leicht mit einem Radargerät mithalten können, hat ein Versuch mit von uns gewählten und verschiedenen Vorbeifahrgeschwindigkeiten demonstriert. Danach standen noch die Bremsübungen in der Kurve an (mit dem Effekt, daß sich dabei die Maschine aufrichtet und somit zur Kurvenaußenseite drängt -> = Scheiße bei Gegenverkehr und so). Danach demonstriert uns der Alois noch die eigentlich unsinnige Prüfungsvorschrift für die Klasse A (aus 50 km/h anbremsen, danach Bremse lösen und ausweichen). Sowohl mit einem ungebremsten Ausweichmanöver, als auch mit einer durchgehenden Bremsung ist das Problem einwandfrei zu meistern; und wer macht schon bei einer Gefahrbremsung die Bremse wieder auf?? Zum Abschluß des Trainings durften wir alle noch einen Hasen überfahren; als Hasenersatz diente eine ganze Reihe ineinandergesteckter kleiner Leitkegel (denen das bereits ergangene Leid deutlich anzusehen war). Alle sind (ungebremst!) einwandfrei darübergefahren; nur als der Schorsch zurückkam, hing ein dunkles Teil an der Hinterarmschwinge; war da etwa ein Verkleidungsteil von seiner BMW abgebrochen? Aber Entwarnung; es hatte sich nur seine bis dahin öfters bestaunte Sonnenschutzkappe verfangen; jetzt hat er ein teilweise zerfetztes Andenken an diese drei Tage.

Fazit
Die vom Alois mitgebrachten Kuchen waren alle sehr gut und hielten deswegen auch nicht lange; viele theoretische Sachen dazugelernt und viele praktische Sachen geübt. Und meine Bestellung für ein trockenes Training und der zusätzlichen Option auf ein zeitweise nasses Schräglagentraining (Schorsch sei Dank) wurde absolut erfüllt (Tara Devi).

Arthur Schmid
http://www.i-bins.de