Ein Bericht von Rainer Lammerz

Nachdem einige Mitglieder vom Club dieses Jahr wieder, beziehungsweise manch einer das erste Mal, auf die Rennstrecke gehen werden, dachte ich so für mich, wenn ich schon mal mitfahre, dann wäre doch ein Schräglagentraining genau das Richtige. Aber anscheinend führte diese Idee bei einigen der Clubmitglieder zu verständnislosem Kopfschütteln. Keine Ahnung wieso!! Oder dachten sie vielleicht tatsächlich ich hätte es nicht nötig? Hmm, nein wohl eher nicht.

Schräglagentraining Einweisung
Hier sollte ich noch etwas zu meinem Fahrstil sagen. Ich sitze ziemlich unbeweglich hinter meinem Superbikelenker und toure meist gemählich durch die Gegend, also genau das Richtige für die Rennstrecke. Wie, Hintern raus, Knie schleifen und so!

Okay, kurz entschlossen Ralf Sander angerufen, gefragt ob er mitmacht, tja und schon waren wir bei MS2 = Motorrad- Schule Alois Rausch, aus Steinhöring bei München, angemeldet. Um Ralf die längere Anfahrt am 16.4. von Nördlingen aus zu ersparen, haben wir Ralf und Doris angeboten bei uns zu übernachten, was sie auch taten.

Endlich war es so weit. Ralf und ich verspürten nun doch ein freudig erregtes Gribbeln auf das Training und hofften, daß sich das Geld auch wirklich bezahlt macht. Auf den ersten Blick sicherlich viel Kohle für einen Tag. Wenn man aber bedenkt, daß wir nur fünf Teilnehmer sind und uns dafür zwei spezielle Flügelmotorräder zur Verfügung gestellt werden, deren Reifen nach einem Wochenende total im A... sind und dazu noch ein hervorragend motivierter Instruktor, der uns den ganzen Tag zu einer stetigen Verbesserung unserer Schräglagentechnik verhilft, dann ist der Preis durchaus angemessen.

Motorrad Training

Nach relativ kurzer Anfahrt, ca. 25 Minuten waren wir auf dem Parkgelände der Firma DASA in Ottobrunn angelangt. Es war kurz vor neun Uhr und Christian unser Instruktor, sowie die drei anderen Teilnehmer waren schon vor Ort. Da war ein TDM Treiber, der einen gröberen Unfall hinter sich hatte, eine Bikerin die gerade erst, nach einigen Jahren Pause, wieder mit dem Fahren begonnen hatte und ein kleines drahtiges Männchen mit grauem Haar und Vollbart, der fast jedes Jahr einmal daran teilnimmt, bevor er auf die Rennstrecke geht. Endlich konnte es losgehen. Halt, erst mußten die Motorräder abgeladen werden, dann noch schnell eine Biertischgarnitur aufgestellt und los ging es.

Schräglagentraining Einweisung
Aber was war das. Christian stellte zwei Pilonen ca. 4 Meter voneinander auf, stellte die Flügel ziemlich weit nach unten (Schräglage – Fehlanzeige) und meinte das nun erst einmal langsam Fahren, sprich Körperbeherrschung und Fahrzeuggefühl auf dem Programm stünden. Richtig, es heißt ja auch Handling- und Schräglagentraining. Paaah, Kinkerlitzges dachten Ralf und ich noch, aber wir wurden schnell eines besseren belehrt. Mit Standgas in einer Acht um die Pilonen und dabei die Flügel immer ganz sachte aufsetzen. Verdammt, das war gar nicht einfach. Danach war das Aufrichten aus dem Stand in Schräglage nur mit Hilfe des Gashahnes angesagt. Dabei drehten die meisten von uns zuerst einmal nette Kreisel und Christian konnte sich köstlich darüber amüsieren. Haha. Aber nach einem kleinen Tip von ihm schaffte es dann auch jeder.
Weiter ging es mit Kurventechnik. Zuerst wurde die Acht vergößert, dann kurze Vorführung und schon gings los. Erste Technik: Normal gerade sitzend, in einer Linie mit der Maschine. Zweite Technik: Bike zum Kurveninneren drücken. Dritte Technik: Hang off.
Die erste und zweite Technik wurden mit verschiedenen Einstellungen der Flügel geübt. Jetzt wurden die Flügel bereits für die Schräglagen benützt. Wichtig war es dabei die optimale Geschwindigkeit zur jeweiligen Kurventechnik mit der Einstellung der Flügel zu verbinden. War man zu schnell und der Flügel setzte auf, was aber gewollt war, so benötigte man einen größeren Radius und konnte somit die Linie für die Acht nicht mehr einhalten.
Kurvenneigung Motorrad
Schräglagentraining Schräglagentraining
Nachdem dann alle in den Augen unseres Instruktors weit genug fortgeschritten waren, konnten wir zur dritten Technik übergehen. HANG OFF. Endlich war es so weit. Jetzt ging es ans Eingemachte, darum waren wir hier. Hier muß ich erwähnen, daß die drei Stunden vorher, auch wenn sie sicherlich nicht soviel Spaß brachten wie die nächsten Stunden, mit Sicherheit absolut sinnvoll und nützlich waren. Begonnen wurde mit einer mittleren Einstellung der Flügel. Rein in den linksrum zu fahrenden Teil, Flügel aufsetzen, jaa hoch und rüber in den rechtsrum zu fahrenden Teil. Kein Problem, leider auch noch kein Hang off. Kein Wunder, wenn man bocksteif drauf- sitzt und das mit dem Anfahren der Kurven auch noch nicht so paßt. Gefragt hatten sich alle, warum Christian alle Pilonen, welche die Acht darstellten, am Boden lagen, zwei jedoch standen. Jetzt kam die Erklärung und damit auch das wichtigste Element um die Hang off Technik umzusetzen. Die zwei stehenden Pilonen standen am Kurveneingang außen. Darauf mußte zugefahren werden, dann den Allerwertesten raushängen und knapp an der Pilone vorbei die Kurvenfahrt beginnen. Und nun das Entscheidende. Im Scheitelpunkt der Kurve muß man den Kopf drehen und die Pilone auf der anderen Seite mit den Augen anvisieren und schon paßt der Kurvenradius und es läuft wie von alleine. Ist doch ganz einfach, oder? War es aber eben nicht. Man dreht zwar den Kopf etwas, wie man es halt so gewohnt ist, hat aber immer auch noch die Kurve mit im Auge. Das Ergebnis war, daß der Kurvenradius nicht eingehalten werden konnte und man somit zu weit nach außen getragen wurde. Da es nur ein paar Meter geradeaus ging, um die gegenüberliegende Kurve anzufahren, war auch diese verpatzt. Das schwierige war, den Kopf so weit zu drehen, nein eben nicht, weil wir einen steifen Hals hatten, sondern es einem widerstrebt, in richtiger Schräglage in eine an dere Richtung zu schauen und man so weder Bike noch Kurve im Auge hat. Aber darum waren wir ja hier.
Ralf hatte das mit dem Knie ganz gut raus, nur Christian meinte: "Wenn du jetzt auch noch Schräglage hättest, dann wäre es okay". Ja, Ralf hatte das Knie am Boden nur leider befand sich der Flügel dabei 10-15 cm über dem Boden. Bei mir sah das etwas anders aus. Flügel auch bei starker Schräglage mit Bodenberührung, dafür das Knie 10-15 cm vom Asphalt entfernt. Ich mußte nach und nach immer weiter nach innen rutschen und plötzlich, welch ein Schreck, war der Knieschleifer am Boden. Jetzt war nur noch mein Oberschenkel auf der Sitzbank und ich hänge seitlich dran. Ja, jetzt begann die Sache Spaß zu machen. Die Flügelstütze war jetzt in der vorletzten Stellung, das bedeutete, bis hierher konnte man das Bike ablegen ohne abzufliegen.
Kurvenneigung Motorrad

Ralf und ich waren nun richtig heiß und von Runde zu Runde wurde es besser. Ab und zu ging das Vorderrad weg und man kreiselt wieder auf dem Flügel, aber dafür war er ja auch mit vorgesehen. Jetzt hatten wir es raus. Feststellen mußten wir auch, daß ich mit dem ganzen Körper neben dem Bike hängen muß, um das Knie an den Boden zu bringen. Da machte sich mein höheres Körpergewicht bei relativ niedriger Geschwindigkeit bemerkbar. Das war natürlich etwas ganz anderes als meine bisherige Fahrweise. Jetzt war das Ganze auch anstrengend, weil man ständig von einer Seite auf die andere mußte und uns Christian immer lange fahren ließ.

Schräglagentraining Einweisung
So, wir waren soweit. Letzte Einstellung und damit absolute Schräglage. Der Flügel diente jetzt nur noch als Schutz. Jetzt ging es richtig ab. Das Knie als Stütze aufgesetzt und super schräg durch die Kurve. Das mit dem Kopf drehen ging nun auch von alleine und langsam konnte ich auch noch Drifts am Kurvenausgang mit einbauen. Wau, was für ein irres Feeling. Nun hatten wir bei ca 180 Grad Kurvenradius das Knie am Boden und unsere Knieschleifer wurden jetzt nicht mehr nur etwas angekratzt, nein, sie wurden wegradiert. Irre, super, spitze, oberaffengeil. Ralfs neue Knieschleifer waren so gut wie abgeschliffen und meine geliehenen, festgeklebten ebenso. Jetzt muß ich mir wohl doch eine Hose mit Schleifpads kaufen.
Außer uns beiden fuhr der TDM Treiber noch sehr gut, bei der Lady langte es noch für drei Kratzer auf ihren Pads, was aber eine tolle Leistung von ihr war. Unserem Oldie ging zum Schluß dann die Kraft aus und schon war es vorbei mit schleifen und schönen Kurvenradien.
Leider geht auch der schönste Tag einmal zu Ende und gegen 18:00 Uhr stellten wir das Fahren ein. Jetzt war uns allen auch schon die Müdigkeit anzukennen. Beim Zusammenpacken noch mitgeholfen, herzlich und dankbar von Christian und den anderen Teilnehmern verabschiedet, machten sich alle auf den Heimweg.
Kurvenneigung Motorrad

Fazit: Fast unglaublich wieviel man an diesem einen Tag dazugelernt hat. Das war mit Sicherheit nicht unser letztes Schräglagentraining. Die nächste Steigerung wäre dann das Driften in Schräglage bis hin zum Lenkeranschlag. Nun kann die Rennstrecke kommen!!!

Rainer Lammerz