MZ Baghira Motorrad Enduro
Ich habe mir eine Baghira gekauft - ganz einfach, weil sie mir sehr gut gefällt. Aber mit dem flauen Gefühl in der Magengegend, ob dies eine gute Kaufentscheidung war. Wo doch so viele über diese Marke "lästern". Solltest du mit diesem Modell auch liebäugeln, so kann Dir dieser Bericht bei der Kaufentscheidung helfen. Ob eine Sitzbank komfortable für Reisen ist oder nicht, kann nur "Dein Hintern" bei einer ausreichend langen Probefahrt entscheiden. Ob die Kraftentfaltung des Motors Deinen Belangen entspricht, wird sich bei dieser Fahrt auch erweisen.
Eines ist klar:
Die Baghira in Originalhöhe ist nur für Biker ab 1.70 Meter Körpergröße empfehlenswert, was aber nicht heißt, dass man dies nicht ändern kann (z.B. Supermoto-Räder, Federvorspannung verändern, Umlenkung verändern, etc. ). Die Baghira ist ein im Straßenverkehr in allen Situationen problemlos beherrschbares Motorrad, das mir persönlich sehr viel Spaß macht.
Ein ausgereifter Motor, stabiler Rahmen, Gabelbrücken und Schwinge mit edelesten Fahrwerkskomponenten in einem eigenständigen Design unterstreichen dieses Feeling. Aber nun zu den Tests, die Du bei einer Probefahrt im allgemeinen selbst nicht durchführen kannst:
Das Tolle an diesem Motorrad ist die Tatsache, dass man mit so einer Eisdielen-Designer-Enduro auch in schweres Gelände fahren kann. Eins muss Dir aber klar sein: Wenn Du sie im Sand oder Sumpf versenkst musst Du wesentlich mehr arbeiten, um sie wieder frei zu bekommen, denn da machen sich die 175 kg Motorradgewicht recht negativ bemerkbar. Mit der Kopflastigkeit, die sie an den Tag bringt, mußt Du Dich im Gelände fahrtechnisch auseinandersetzen. Dies ist aber nach kurzer Gewöhnungszeit kein Problem. Der Kurze erste Gang erleichtert Trialpassagen und der zweite Gang beschleunigt passabel genau bis 80 km/h. Ich bevorzuge aber ein um einen Zahn kleineres Ritzel. Bei der Rallye München-Breslau konnte ich verletzungsbedingt mit der Baghira nur Platz 12 gesamt erreichen (98 Motorräder am Start). Beim "Saurüssel-Enduro" des BMC Burghausen (115 Motorräder am Start) konnte ich die Serien-Klasse mit der Baghira gewinnen. Klar hätte ich mir in beiden Veranstaltungen mit einem Wettbewerbsmotorrad leichter getan, aber wie gesagt - es ist ein Test auf Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. In extremen Steilauffahrten mit einigermaßen festem Untergrund fühlst Du dich schon fast als König der Berge. Hier spielt die Kopflastigkeit dieses Motorrades eine positive Rolle. Extreme Bergabpassagen im Steilgelände sind natürlich nicht so einfach mit ihr zu bewältigen. Die Baghira fürchtet keinen Geländeabschnitt aber wohl gemerkt, eine reinrassige Wettbewerbsenduro wird sie nie werden. Meine Baghira hat unter Wettbewerbs- und Trainingsbedingungen im Gelände bereits 7.000 Kilometer auf dem Buckel. Ganz nebenbei die Kollision mit einem Reh bei einem Versuch mit 110 km/h und sie steht bis auf ein paar Kratzer da wie ladenneu!
  
Was ist an meiner MuZ anders?
Ich habe den Originallenker gegen einen etwas höheren und breiteren Renthal-Lenker getauscht, Acerbis Hebelprotektoren angebracht, Motorschutz (Zubehör) und Sturzbügel angebaut (schützt neben dem Motorgehäuse die Wasserpumpe und die Kühler bei Sturz) sowie Faltenbälge für die Gabel (schützt die Simmeringe) montiert.
Wie gesagt, diese Vorsichtsmaßnahmen sind nur im schweren Geländeeinsatz notwendig. Was mir von Anfang an nicht gefiel ist der Seitenständer, der bei sommerlichen Temperaturen sogar im Asphalt versinkt. Zur Abhilfe habe ich einfach ein 30x20x3 mm Flacheisen angeschweißt. Auf groben Schotterpisten (= kantige Gesteinsbrocken, vergleichbar mit Pflastersteinen) werden trotz erhöhtem Luftdruck bei Geschwindigkeiten über 70 km/h die Felgen in Mitleidenschaft gezogen. Das heißt, sie verformen sich. Dies ist zwar nicht gefährlich, aber mehr als ein Schönheitsfehler. Wenn Du also ständig mit Deiner MuZ über die alten Schotterpisten des ersten Weltkrieges heizt, wären Felgen eines anderen Herstellers von Vorteil.

Meiner Meinung nach ist die Baghira eine sportliche Reiseenduro, die in ihrer Klasse keine Angst vor Konkurrenten hat. Ausfälle durch technische Defekte sind bei meinem Motorrad noch nicht aufgetreten. In einer der nächsten Ausgaben der Zündbox werden wir meine Baghira mit 65 PS und Supermotobereifung testen.


ALOIS RAUSCH