Worauf es wirklich ankommt


Motorrad Helm Aufprall

Nein, der Biker ist nicht blöd - er tut dies zu seiner Sicherheit - es ist ja seine Schutzkleidung.
Nun stellt sich natürlich die Frage - was taugt diese Schutzkleidung wirklich? Gott sei Dank erfahren dies in der Praxis die Wenigsten und jene, die einen Verkehrsunfall erlitten haben, nehmen oft klaglos ihrer Verletzungen hin, obwohl sie mehr als 1.000,00 EUR für ihre Schutzkleidung zusätzlich zum Motorradkauf ausgegeben haben.
Was wäre, wenn Du bei einem Auto tausend Euro Aufpreis für einen Airbag bezahltst, der aber dann bei einem Unfall nicht funktioniert?

Den darauf folgenden Prozess würdest Du mit höchster Wahrscheinlichkeit gewinnen. Beim Motorradunfall ist das natürlich nicht so einfach, da ist keine Karosserie, die die Energie aufnimmt, bevor der Körper in Mitleidenschaft gezogen wird. Da ist nur die Schutzkleidung und da stellt sich die Frage, kann man davon überhaupt etwas erwarten?
Aber - was soll ich mir kaufen??

Das sollte man vorher über den Unfall wissen:

Nach wie vor ist Hauptunfalltyp im Straßenverkehr der Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer (z.B. Vorfahrtsmissachtung innerorts wie außerorts). In den meisten Fällen verursacht vom Unfallgegner.
Unvorstellbar hohe Kräfte (oft mehrere Tonnen!) wirken auf die Knochen. Ein im Ferhsehen noch so spektakulär aussehender Sturz auf der Rennstrecke in Richtung Kiesbett ist dagegen oft ein "Kindergeburtstag".

Es ist auch völlig egal, welche Art von Motorrad man im Straßenverkehr bewegt (Chopper, Reise- oder Sportmotorrad). Gerade Innerorts ist das Unfallbild für Alle gleich. Der Beinbereich ist da besonders gefährdet.

Bezüglich der Kleidung trifft häfig der Spruch zu: "Wer schön sein will - muss leiden."

Worauf muß ich achten? Fangen wir oben am Kopf an:

Du brauchst einen guten Helm, der richtig sitzt ohne zu drücken. Solltest Du Wert auf ein unversehrtes Gesicht legen, muß es ein Integralhelm sein. Hat auch nichts mit Geld zu tun, denn ein 200,- EUR - Integralhelm ist bestimmt 50% sicherer beim Aufprall an eine Pkw-Dachhaube, als ein 400,- EUR Chopper(sieht-gut-aus)Jet-Helm.
Dass der Sturzhelm wirklich was taugt, hat die Einführung der Helmpflicht schon vor langer Zeit bewiesen.

Für den Hals finden wir wenig, was taugt. Ein spezielles Lederhalstuch ist da schon empfehlenswert. Nicht so ideal sind Stoffhalstücher, denn da kann es schon mal passieren, dass man die mit ins Helmschloß klemmt, das dann aber nicht richtig verriegelt und der Helm bei einem Aufprall abfliegt.

Motorrad Rückenprotektor
Wirbelsäule (wir haben leider nur eine!)
Auf alle Fälle sollte man einen guten Rückenprotektor tragen, hier gibt es eine Riesenauswahl - aber auch viel Mist!
Du musst im Laden probieren.
Bedenke: Du wirst höchstwahrscheinlich nicht in ein Kiesbett fallen, sondern Metalle in Form von Leitplanken, Verkehrszeichen, andere Kraftfahrzeugen oder Bordsteinkanten werden Deinen Körper bremsen.

  
Das heißt, suche Dir im Laden evtl. eine Treppenkante, leg Dich zuerst vorsichtig mit dem Rückenschutz drauf und probiere, ob die Kante auf die Wirbelsäule durchdrückt. Bei der Belastung nur durch das eigene Körpergewicht darfst Du nichts merken. Spürst Du bereits jetzt die Kante - dann vergiss dieses Teil.

Sagt der Verkäufer, dass alles erst beim Aufprall hart wird und schützt, dann laß es Dir von ihm vorführen. Nimm einen Hammer mit und hau ihm damit auf den Rückenschutz, den er trägt und du weißt sofort, ob die Beratung gut war oder nicht.

Test Motorrad Protektor

Auch Gelenke (Arme und Beine) schützt man durch Protektoren. Bei hohen punktuellen Energiewirkungen, wie sie beim Unfall im Straßenverkehr vorkommen, brechen schon mal Knochen - das ist unvermeidbar. So lange Gelenke und deren Flächen einigermaßen heil bleiben, ist es oft gar nicht so schlimm und reparabel. Meine Erfahrungen nach ist Protektorenmaterial mit einem weichen Innenkern und einer harten Schale am Besten geeignet. (Auch Sturzhelme sich so aufgebaut). Für Gelenprotektoren ist auch der Hammertest geeignet. Nimm einen Hammer mit in den Laden und zieh den Einzelprotektor / Jacke / Hose - Deiner Wahl an und hau' Dir zum Beispiel mal vorerst leicht aufs Knie. Tut das bereits weh, vergiss den Kram. Ein gutes Protektorenmaterial lässt eine enorme Schlagkraft schmerzfrei zu - in guten Läden kanst Du vergleichen.

Der Fuß (Sprunggelenk) ist quasi die Knautschzone zwischen Stoßstange und Motorblock. Daher sollte der Motorradstiefel gerade im Sprunggelenk und im Sohlenbereich stabil sein. Viele Motorradstiefel bieten guten Schutz, wenn man über Asphalt schlittert, aber keinen Schutz oder zu wenig, z.B. wenn der Fuß eingeklemmt wird. Auch hier gilt die altbewährte Methode: Hau' mit dem Hammer auf den Knöchel und Du wirst spüren - oder nicht - was der Stiefel taugt.
Ich bevorzuge im Straßenverkehr Leder als Obermaterial, denn das hat sich bewährt. Es gibt aber auch gute Gewebe, doch da sind die Qualitätsunterschiede nicht so leicht zu durchschauen.
Wäre dem Motorradfahrer sein Outfit egal, könnte er problemlos auf hochwertige Motorsportbekleidung zurückgreifen, da gibt es fast alles.

Das passt aber nur zu Sportmotorrädern, oder auch einem Sporttourer.

Chopperfahrer und Enduristen müssen viel mehr vergleichen oder improvisieren um sicherheitstechnisch hochwertig gekleidet zu sein.

Fazit: Gutes Protektorenmaterial ist für denjenigen, der Wert auf seine Gesundheit legt, unumgänglich. Gute Protektoren kann man auch oft einzeln kaufen und diese in die bereits vorhandene Motorradbekleidung einarbeiten oder austauschen.
ALOIS RAUSCH