Ein Interview von Joachim Kellner


Zündbox: Was waren die Beweggründe Dein Unternehmen vor 10 Jahren zu gründen?
Eigentlich eine lange Geschichte, die etwa 1975 begann. Ich will mich aber kurz fassen. In meiner damaligen freiwilligen Tätigkeit beim Roten Kreuz und der freiwilligen Feuerwehr in Ebersberg wurde ich schon in meiner Jugend mit Verkehrsunfällen verschiedenster Art und deren oft schlimmsten Folgen konfrontiert. Diese Erlebnisse haben mich sehr geprägt. Auf der andren Seite war es auch der Motorradrennsport, den ich lange Jahre aktiv in verschiedenen Klassen und auch mit internationaler Lizenz betrieben haben, Grund für diese Entscheidung.
Zündbox: Wie hast Du Dir anfangs die Umsetzung Deiner Beweggründe vorgestellt?
Ich dachte, das ist ganz einfach - da macht man einen Fahrlehrerschein und bringt es einfach Allen bei.
Zündbox: Hat das so funktioniert?
Nein - nein. Erstens interessiert die meisten Fahschüler nur wie man (auch oft verständlicherweise) billig und schnell an den Führerschein kommt und zum anderen ist man an eine Fahschülerausbildungsordnung gebunden, die bei weitem nicht so fortschrittlich ist wie z.B. die Motorradtechnik und dergleichen.
Zündbox: War das letztendlich der Auslöser zur Gründung der Motorradschule?
Nein. Bis 1989 habe ich mich dann voll auch den Moto-Cross-Rennsport konzentriert und wollte dann eben in den Straßenrennsport wechseln. Habe mir dann 1989 eine tolle Suzuki 750 R aufgebaut und im Herbst und Winter für die Saison 1990 trainiert. Kurz vor Saisonbeginn hatte ich auf einer Rennstrecke einen guten Freund mein Motorrad probieren lassen. Er war kein Rennfahrer aber als Kraftfahrzeuginenieur mit etwa 12 Jahren Motorraderfahrung habe ich mir auch nichts dabei gedacht. Um zum Ende dieser Geschichte zu kommen: ohne Fremdeinwirkung bei wirklich langsamen Rundenzeiten hat er mein Motorrad mit einer Panikbremsung vollständig "zerlegt". - Kein Motorrad - kein Geld - das hieß für mich: "Adieu Motorradsport!"
Zündbox: War das gleich ein bombiger Erfolg?
Nein, zuerst kamen harte Jahre mit großen Problemen.
Zündbox: Was heißt das?
Um ein vernünftiges Fahrertraining durchführen zu können, braucht man viel Platz, Genehmigungen und Geld.
Zündbox: Wieso hast Du nicht bei der Industrie oder großen Institutionen nachgefragt?
Naheliegend, das habe ich auch gemacht. Das wäre sicherlich der einfachste Weg gewesen! Doch die Realität sah etwas anders aus. Die Antwort war meistens: "Kein Interesse", oder "Wir können das selber besser!". So entschied ich mich, einen "Alleingang" zu versuchen und habe letztendlich nach langen Kämpfen diverse Trainingsplätze und die dafür erforderlichen Genehmigungen erhalten und mir den kompletten notweindigen Fuhrpark angeschafft.
Zündbox: Hat es hier jegliche finanzielle Unterstützung gegeben?
Eigentlich nur sehr wenig! Es gab zwei Motorradhersteller, nämlich Yamaha und Suzuki, die mir ein gutes Käuferangebot gemacht haben. Von Seiten anderer Hersteller war jedoch leider keine Hilfe zu erwarten!
Zündbox: Wie war die anfängliche Resonanz Deines Trainingsangebotes?
Äußerst schleppend und zögerlich. Es waren harte Jahre in denen ich auch gelegentlich über das Aufhören nachgedacht hatte. Doch eingentlich war ich überzeugt, daß es nur eine Frage der Zeit sein kann, sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können.
Zündbox: Wer hat an Deinen Trainings teilgenommen?
Anfangs hatte ich fast nur Teilnehmer, die schon alle möglichen Trainings bei anderen Veranstaltern absolviert hatten, die besonders sicherheitsbewußten Motorradfahrer im Alter von ca. 45 Jahren aufwärts. Diese kamen, um einfach mal was Neues zu testen.
Zündbox: Wie kamen Deinen Trainings bei diesen Leuten an?
Das war für diese Teilnehmer eine völlig neue Welt. Motorräder sicher und trotzdem flott zu bewegen. Viele kommen immer noch - 7 - 8 - 9 Jahr später regelmäßig auf ein Sicherheitstraining oder eine meiner anderen Veranstaltungen.
  
Zündbox: Wie sieht das heute aus?
In der Zwischenzeit bin ich in der Situation fast jede Altersstufe mit meiner Idee zu begeistern. Die Teilnehmer sind von 4 bis 70 Jahren. Jeder findet das für ihn richtige Angebot.
Zündbox: Kannst Du nachweisen, daß Deine Fahrertrainings auch wirklich was bringen?
Ja, ich denke schon. Ich führe zwar keine Statistik und lasse die Teilnehmer keine Fragebögen ausfüllen, denn davon halte ich nichts, aber es ist so, daß z.B. das BRK alle neuen Fahrer ihrer Motorradstaffel seit 1993 zu meinen 3-Tages-Trainings schickt. Diese fahren pro Jahr bis zu 13.000 Einsätze und somit mehrere Millionen Kilometer. Absolut unfallfrei. Ich denke das spricht für sich! Gleichfalls bekomme ich Briefe und Nachrichten von ehemaligen Teilnehmern, die brenzlige Situationen im Straßenverkehr bewältigen konnten, die vorher ganz anders ausgegangen wären. Ich glaube auch, daß viele Teilnehmer immer wieder zu Trainings kommen, beweist eigentlich, daß Sie damit zufrieden sind, was ich Ihnen zu bieten habe.
Zündbox: War heißt eigentlich MS²?
Ganz einfach MS² ist nichts anderes als eine Abkürzung für Motorrad-Sicherheits-Schule - die 2 im Quadrat steht als Ersatz für das zweite S im Namen.
Zündbox: Was ist der MS²-Club?
Unser Club besteht in der Zwischenzeit schon seit 1993. Bei unseren monatlichen MS²-Stammtischen kommen immer wieder neue Ideen und Erfahrungen zusammen, die natürlich - das ist der Vorteil eines kleinen Betriebes - auch in praktischen Trainings umgelegt werden können und unser Angebot damit stets erweitert wird.
Zündbox: Wie sieht die Unterstützung heute aus?
Seit zwei Jahren stellt mir die Firma MZ für die Trainingssaison (April bis Juli) Motorräder zur Verfügung. Das ist eine wirklich tolle Sache! Zündbox: Wie machst Du Werbung?
Der größte Teil meiner Werbung passiert durch Mundpropaganda, Internet und Motorradmessen. Die Teilnehmer neben meiner ca. 50% Stammkunden werbe ich auf Motorradausstellungen wie z.B. der IMOT in München etc.
Zündbox: Wieso findet man Dich - wie die anderen Anbieter - nicht regelmäßig oder nur sehr selten in Motorradzeitschriften?
Ganz einfach, weil auf Messen kann ich vor Ort mit den Leuten sprechen und mit bis zu 300 Trainingstagen im Jahr bin ich sehr gut ausgelastet.
Zündbox: Machst Du das ganz alleine?
Ohne die Mithilfe meiner Frau Sonja, die Büroorganisation, Terminplanung und Teilnehmerbetreuung etc. übernimmt, wäre ich jetzt nicht hier. Gleichfalls zwischenzeitlich unentbehrlich ist unser Instruktor bzw. Trainer Christian Belg. Er unterstützt mich so oft es ihm irgendwie möglich ist. Dank seiner Mithilfe kann ich den Teilnehmern ein umfangreicheres Trainingsprogramm anbieten. Somit besteht unser Hauptteam eigentlich aus drei Personen. Nicht zu vergessen allerdings die vielen Freunde und auch Teilnehmer, die in manchen wichtigen Geschäftsbereichten mehr als ich verstehen und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Bei dieser Gelegenheit ein DANK an all Diese.
Zündbox: Was ist Dein nächstes Ziel?
Ich werde natürlich die Arbeit in meiner "Schule" fortsetzen. Ebenso verfolge ich das Projekt in Spanien. Dort wollen wir ein Motorradparadies schaffen. Das macht langsam Fortschritte und sieht ganz gut aus.
Zündbox: Was ist dein Zukunftswunsch?
Als erstes Gesundheit und daß ich mehr Zeit für meine Familie habe. Den Rest nehme ich einfach so wie er kommt.
Zündbox: Hast Du neben dem Motorrad fahren ein weiteres Hobby?
Motorrad fahren ist mein Job und lange kein Hobby mehr aber trotzdem fahre ich immer noch sehr gerne. Mein Hobby ist seit kurzem das Fliegen. Auf meine Privat-Piloten-Lizenz bin ich auch mächtig stolz, aber leider habe ich auch dafür nur wenig Zeit.
Zündbox: Danke für das Interview.